Soweit die Flügel tragen…
Mrz 3rd, 2010 by hendrik
Hallo mal wieder. Das Tanelornwintertreffen ist vorbei und wie immer habe ich einige neue Impulse bekommen. Bekanntermaßen arbeite ich ja in letzter Zeit wieder verstärkt an Darkon (mehr dazu findet man im Entwicklungsforum im Tanelorn), und nach einigen Testspielen bewegen sich die Regeln tatsächlich so langsam auf etwas zu, was ich als Optimum für das von mir gewünschte Spielgefühl bezeichnen würde. Eine Sache ist mir auf der Rückfahrt aus Hessen am Sonntag noch eingefallen.
Ich möchte, natürlich auch um mich ein bisschen abzusetzen, ein wenig mit der Langzeitmotivation beim Rollenspiel spielen. Ein Spiel schafffen, in dem sich die Spieler nicht einfach an immer stärkeren, sondern an neuen Herausforderungen zu messen haben, ein Spiel, in dem Charaktere mit großem Potenzial sich tatsächlich zu Persönlichkeiten mit großer Macht entwickeln können. Gleichzeitig will ich aber verhindern, dass meine Spielwerte absurd groß werden. Das macht nämlich einfach keinen Spaß…
In seiner aktuellen Form definieren sich die Spielercharaktere bei Darkon nicht nur durch ihre Fähigkeiten, sondern vor allem auch durch die Ressourcen, die ihnen zur Verfügung stehen. Diese Ressourcen haben eine Stufe und je höher die ist, desto besser ist sie ausgeprägt. Dieses einzelne Maß reicht aber, das haben die Testspiele deutlich gezeigt, nicht aus, um für Vergleichbarkeit zwischen Charakteren zu sorgen und ihren tatsächlichen Stand und ihre Macht in der Spielwelt zu dokumentieren. Klar, ein Baron – 15 ist mächtiger als ein Baron – 5, aber was bedeutet das eigentlich?
Dementsprechend habe ich mal ein wenig herum experimentiert und sozusagen eine zweite Achse für Ressourcen eingeführt, die sogenannte Tragweite. Ressourcen starten mit Tragweite 0 und mit ihnen kann man nur sich selbst und die unmittelbare Umgebung beeinflussen. Für je fünf volle Stufen in der Ressource darf ich die Tragweite der Ressource erhöhen, wenn ich eine Spielsituation herbei führen kann, die dies motiviert. Rette ich die schöne Tochter des Großbauern, dann habe ich sicherlich einen besseren Ruf bei ihm (z.B. Ruf – 6 statt Ruf – 5), aber erst wenn ich zurück kehre und den Großbauern zu einem großen Freudenfest überrede, erfährt auch der Rest des Dorfes davon (Und die Tragweite meines Rufs bei den Dörflern steigt von 0 auf 1).
Die Tragweite bestimmt also, wie viel ich beeinflussen kann, während die Stufe bestimmt, wie stark ich beeinflussen kann. Mit Tragweite 1 habe ich die Dörfler in der Tasche, mit Tragweite 2 breitet sich mein Ruf als Held in die Nachbardörfer aus und mit Tragweite 4 habe ich plötzlich die loyale Miliz des ganzen Landstrichs hinter mir, wenn sich mal wieder einige böse Banditen im Wald breit machen.
Nutze ich im Übrigen eine Ressource auf einer Tragweite über 0, so ist die effektive Stufe der Ressource niedriger (nämlich 5 Punkte je Tragweitenpunkt). Die Stufen, die mich wirklich interessieren (mit Adel – 5 und Tragweite 6 schicke Armeen in die Schlacht anstatt mir ein Pferd zu kaufen), bleiben in vernünftigen Größenordnungen, Herausforderungen bleiben erhalten, ohne das Werte ins unermessliche steigen müssen.
Wenn ich als beginnender Zauberer ein Schwert verzaubern will, dann ist das vielleicht schwer und der Spielleiter setzt mir 20 Punkte entgegen. Wenn ich als Erzmagier alle Schwerter der Armee des Königs verzaubere, dann ist das immer noch schwer (wieder mit 20), ohne das wir auf einem ganz anderen Machtlevel mit absurd hohen Werten spielen müssen.
