Spielvorbereitung
Mrz 31st, 2012 by hendrik

Bevor der diesmonatige Karneval der Rollenspielblogs mal wieder an mir vorüber zieht werfe ich jetzt, passend zum Monatsende, auf nochmal ein paar Gedanken zum Thema in den Raum. Ich improvisiere ja gerne und plane generell wenig bis gar nichts im Voraus: Nicht weil ich meinen Spielern nichts bieten will, sondern gerade weil ich meinen Spielern (und mir!) etwas bieten will. Story gehört an den Spieltisch und nicht in das Notizheft des Spielleiters. Wichtiger als die Planungsphase für den Handlungsverlauf sind für mich also die Werkzeuge, mit denen ich Handlung erzeugen und voran treiben kann. Damit beschäftige ich mich im Vorfeld. Da hätten wir zum Beispiel:
- Das Regelwerk: Ich bemühe mich die Regeln gut zu kennen die benutze. Damit meine ich nicht die Regeln die für die Spieler wichtig sind (bei nWod habe ich nun wirklich nicht die ganzen Spezialregeln für Magier, Wechselbälger und Werwölfe im Kopf), sondern die, die für den SL relevant sind: Proben, Konflikte, NSC und alles was damit in Verbindung steht. Die müssen sitzen und wenn sie das tun dann offenbaren sie auch oft genug Möglichkeiten, das Spiel voran zu treiben: Wo sind Konflikte angebracht und was bedeutet ihr Ausgang? Was für Proben stelle ich und was bedeutet es wenn diese in die Hose gehen? Wie baue ich meine NSC auf und was muss ich da im Vorfeld tun?
- Die Spielercharaktere: Der reichhaltigste Fundus, der einem als SL im Spiel zur Verfügung steht ist sicherlich das Informationsmaterial, dass sich auf den Bögen der Spieler befindet. Damit meine ich explizit nicht irgendwelche Vorgeschichten (bleibt mir damit weg, Prosatexte lese ich nicht und würde ich auch nicht im Gedächtnis behalten), sondern konkrete Spielwerte. Welche Fähigkeiten besonders ausgeprägt sind sollte man wissen damit man den Spielern entsprechende Herausforderungen bieten kann, die, wenn es dann hart auf hart kommt, auch allen Spielern etwas zu tun geben können. Vorteile, Nachteile, Merits, Aspekte und so weiter geben mir weitere Hinweise womit ich die jeweiligen Spieler locken kann. Ich sehe bei so etwas recht genau wo die roten Knöpfe liegen auf die ich dann nur noch drücken muss.
Davon abgesehen sollte man natürlich auch im Kopf behalten was den Charakteren so wiederfährt und welche Entscheidungen die Spieler getroffen haben. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und hier findet sich schnell weitere Punkte mit denen man als SL ganz wunderbar arbeiten kann. Idealerweise fließen diese Dinge natürlich wieder in die Spielwerte der Spielercharaktere mit ein, aber nicht jedes System unterstützt das. - Die Nichtspielercharaktere: Jeder nennenswerte Nichtspielercharakter hat selbstverständlich seine eigene Agenda, seine Ziele, seine Motivation und natürlich seine Meinung zu den Spielercharakteren. Diese Daten wollen gehegt und gepflegt werden, damit man sie im Spiel jederzeit nutzen kann. Vor dem Spiel einfach einmal die wichtigen NSC durchzugehen gibt der eigenen Kreativität einen gehörigen Anschub – meist nichts konkretes, aber einige Ideen die dann im Spiel weiter an Substanz gewinnen bis sie zum richtigen Zeitpunkt dann eingesetzt werden können.
Das war eigentlich auch schon alles was zu meiner Vorbereitung gehört. Karten, Orte und neu hinzu kommende Personen bereite ich nicht vor. So was kann ohne Weiteres im Spiel entstehen (was gerade in der Gruppe durchaus auch Spaß machen kann: “Malt mir doch mal bitte eine Karte des Lagerhauses” ist ein schönes Minispiel für zwischendurch und gibt mir als SL die fünf Minuten Pause in denen ich mir weitere Dinge zurecht legen kann.). Wenn man mehr Details braucht, so wirkt, gerade bei kontemporären Runden, das Internet wahre Wunder. Meine Karten liegen bei Google Maps, meine besonderen Orte haben alle ihre eigene Homepage, schlicht und einfach weil es reale Orte sind, Nachforschungen der Spieler können direkt über Wikipedia geschehen und die Artikelarchive der ortsansässigen Zeitungen liefern mehr als eine Szenarioidee für meine Spieler oder auch für mich – und das alles quasi instantan.

