Da isse wieder, die gute alte Immersion…
Okt 26th, 2012 by hendrik
Endlich ist es wieder soweit, nach Monaten bangen Warten s führen Realismus und Immersion wieder ihren schwammig-absolutischten Tanz im Tanelorn auf.
Bei näherer Betrachtung fällt mir hier zunächst auf dass die absolute Definition der Immersion, wie schon von manch anderem auch an dortiger Stelle angemerkt angemerkt, dem eigentlichen Begriff der Immersion überhaupt nicht gerecht wird. Aber das sind nur Worte, ob man es umgangssprachlich Immersion oder etwas wissenschaftlich korrekter maximaler Immersionsgrad nennt ist ja erst einmal egal. Also zumindest mir – für eine Diskussion ist es schon generell fruchtbarer wenn man sich eines konkret definierten Begriffes bedient über dessen Bedeutung Einigkeit herrscht.
Und das passiert immer wieder. Und es bringt mich immer wieder aus zwei essentiellen Gründen auf die Palme:
1. Der Gebrauch des Begriffs an sich und dieses ständige “ja aber ich bin mein Charakter”. Ich habe während meines Studiums ungefähr 18 Monate lang im Bereich der virtuellen Realität gehört, geforscht und gebaut und hatte dementsprechend oft und viel mit dem Thema Immersion zu tun. Immersion ist das Eintauchen in eine künstliche Welt und das dadurch bedingte zurück Drängen von (indirekten!) Sinnesempfindungen der Realität. Überträgt man das auf’s Rollenspiel dann kommt man ziemlich nahe bei einer Definition raus wie Bad Horse sie weiter oben schon als die ihre vorgestellt hat.
Dieses “Ich bin mein Charakter”-Denken kann, mit viel gutem Willen und dem Verzicht auf eine gewisse Definitionsstrenge, eine sehr spezielle Form der Immersion sein, es ist aber ganz klar nicht die einzige und vor allem nicht die allumfassende. Mehr noch, im engeren Kontext betrachtet ist sie auch falsch. Denn die intrinsische Motivation und das Denken meines “Charakters” ist immer noch mein eigenes – was man also in dieser Form wohl eher sagen möchte ist “Ich bestimme die Handlungen meines Charakters auf Basis der durch die Immersion bei mir entstehenden Sinneseindrücke”.
Wenn Du also sagen willst: Ich bin aber mein Charakter! – bitte, tu das. Es gibt ja auch Leute die behaupten sie wären Batman. Oder Chef. Und vielleicht sind sie das sogar. Aber bitte, bitte, nenn’ das nicht einfach Immersion.
2. Immersion ist eine Waffe. Also nicht der Prozess der Immersion an sich, sondern das Schmettern eben dieses Worts im Kontext einer Diskussion um selbige abzuwürgen: Player Empowerment? Will ich nicht, das stört die Immersion; Würfel? Immersion!; Ich habe da dieses neue Spiel… Immersion!; Iss deinen Spinat! – IMMERSION!
Ich habe wirklich nur allzu oft den Eindruck dass sich manch einer nicht traut in solchen Fällen ein ehrliches “mag ich nicht” von sich zu geben. Wenn man PE nicht mag, bitte. Ist völlig okay. Einfach sowas mit Immersion zu begründen funktioniert aber nicht. Eher sollte begründet werden, und das wäre der richtige Weg, warum eine bestimmte Spieltechnik nicht immersionsfördernd ist. Nur darüber kann man nämlich sinnvoll diskutieren.
Und dann zum Beispiel, wie es eventuell im Nachbarthread schon geschehen sein mag (ich hatte echt keine Lust den sonderlich lange zu verfolgen), mal darauf hinzuweisen dass der Einsatz einer Technik (PE) mit einem für die Anwendung der Technik und den Spielstil falschen Ziel (Herausforderungsminimierung bei GAM) kein besonders gutes Argument darstellt warum diese Technik generell schlecht für die Immersion (dammit, jetzt habe ich es selber benutzt…
) ist.
Natürlich ist mein Akkuschrauber kein gutes Gerät um damit die Nägel in die Rückwand vom Schrank zu kloppen – wenn ich aber stattdessen mit ihm die Schrauben festdrehe möchte ich ihn dennoch beim Schrank aufbauen nicht missen.

